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Korsische Sprache
Zeichen von korsischer Identität
Die Korsen sind stolz auf ihre Sprache. Ortschilder sind fast immer zweisprachig, Info-Blätter, Speisekarten und Websites haben häufig auch eine korsische Version, zahlreiche Literaturveranstaltungen, unzählige Bücher und Gedichtbänder sowie korsischsprachige Folk- und Popmusik zeugen davon, das das Korsische auf der Insel sehr lebendig ist. 

Fest zu Korsika gehören denn auch die Straßenschild-Aktionen der Insel-Nationalisten: Man findet kaum einen Wegweiser oder Schild auf der Insel, auf dem nicht der französische Ortsname überpinselt oder mit Schrot durchlöchert ist. Wie auch immer der Stolz auf die eigene Sprache zum Ausdruck kommt: Für viele Korsen ist ihre Sprache ein Teil ihrer Identität.
 
Der französische Nationalstaat hat seine Regionalsprachen lange Zeit zu unterdrücken versucht. Frankreich hat das Korsische erst 1972 als Regionalsprache anerkannt – etwa 20 Jahre nach der Anerkennung des Bretonischen, Baskischen und katalanischen, aber immerhin mehr als 30 Jahre vor der offiziellen Anerkennung des Elsässischen. Außerdem hat Paris sich 1992 mit der Unterzeichnung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen verpflichtet, das Korsische als europäische Regionalsprache anzuerkennen und die korsische Sprache in Vor- und Grundschulen und in der Erwachsenenbildung zu fördern und korsischsprachige Medien sowie Kulturinitiativen finanziell zu unterstützen. An der einzigen korsischen Universität in Corte werden teilweise Vorlesungen auf Korsisch angeboten. An der Hochschule befindet sich auch der weltweit einzige Lehrstuhl für Korsische Literatur.
 
Es gibt keine einheitliche korsische Schriftsprache, sondern das Korsische lebt vor allem in seinen zahllosen Dialekten, die sich teilweise von Dorf zu Dorf stark unterscheiden. Das Korsische ist dem Italienischen sehr ähnlich, wissenschaftlich-sprachsystematisch ist es ein Dialekt der Italoromania-Sprachfamilie. In die Alltagssprache mischen sich jedoch auch viele Französismen und frankophone Satzbausteine.
Die nördlichen Dialekte Korsikas (das Corsu supranu) sind mit dem toskanischen Italienisch verwandt, was aus der pisanischen Besatzungszeit Korsikas und der geografischen Nähe zum italienischen Festland herrührt. Das Südkorsische (pumuntiche oder auch taravese oder sartinese genannt) ist dem sizilianischen verwandt und weist starke Ähnlichkeiten mit den Dialekten Gallurese und Sassarese der italienischen Nachbarinsel Sardinien auf. In dieses Sprachgetümmel mischen sich auch noch das in Calvi und Bonifacio gesprochene Korsisch, das ligurische Einflüsse hat – die beiden Wehrstädte waren im Mittelalter korsische Brückenköpfe der Seerepublik Genua.
 
Auch wenn das Französische heute dominierende Alltags- und Mediensprache ist, gibt auf der Insel schätzungsweise etwa 100.000 Sprecher. Neben einem guten Drittel der Korsen gibt es noch etwa 30.000 korsische Auswanderer in Frankreich, die ihre Heimatsprache pflegen. Zählt man die nordsardischen Dialekte hinzu, was jedoch sprachwissenschaftlich umstritten ist, gibt es heute etwa 200.000 Menschen, die Korsisch zumindest als Zweitsprache sprechen.
Timo Lutz