
Im Süden von
Ghisoni in
Nord-Zentralkorsika liegen zwei Berge mit altgriechischen Namen: Kyrie Eleison und Christe Eleison, benannt nach den zwei vorchristlichen Huldigungsrufen â??Herr, erbarme dichâ?? und â??Christus, erbarme dichâ??. Was so fromm klingt, hat einen schaurigen Hintergrund.
Nach einem alten Volksglauben gehen die beiden ungewöhnlichen Namen auf eine schaurige Geschichte aus dem Mittelalter zurück. Mitte des 14. Jahrhunderts kam im Osten Korsikas die religiöse Laienbewegung der Ghjuvannali (Giovannali) auf. Christliche Laienbewegungen waren im Mittelalter nichts ungewöhnliches: vornehmlich im Süden
Frankreichs, aber auch in Italien, Spanien und Deutschland predigten Katharer ihre Interpretation der christlichen Lehre. Sie selbst nannten sich veri christiani (die wahren Christen), oder boni homines bzw. Bonhommes, (gute Menschen). Gebräuchlich waren auch die Bezeichnungen Patarener bzw. Pateriner.
Natürlich waren diese Bewegungen dem mittelalterlichen Vatikan ein Dorn im Auge. Im Jahre 1354 ordnete er deshalb eine Hetzjagd auf die korsischen Ketzer an. Am Fu�e der beiden Berge vor
Ghisoni sollten die vermeintlichen Irrgläubigen auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Ihre verzweifelten Huldigungsrufe, Kýrie eléison. Christé eléison sollen aus den beiden Bergen zurückgehallt sein. So gab das Echo der Fürbitten der Ghjuvannali den beiden Bergen ihren frommen Namen.
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