Sartène
Natur, Geschichte und Vendetta in der korsischsten aller korsischen Städte
Sartène ist eine Kleinstadt mit knapp 3.500 Einwohnern im Südwesten der Insel. Sie zählt dank ihres mehr als 22 Tausend Hektar großen Gemeindegebiets und seiner 33 Kilometer Küstenlinie, die von Roccapina bis vor Campomoro reicht, zu den zehn größten Gemeinden Frankreichs. Traumhafte Badestrände wie der Plage von Roccapina oder Cala Barbaria gehören ebenso zur Commune de Sartène wie endlos weite Weingärten bei Ortolo, riesige, dichte Maquis-Wälder im Avena-Tal, das kleine Fischerdorf Tizzano oder die karge Hochebene von Cauria. Letztere ist dank der Menhir-Reihen von Rinaiu (Renaghju) und Stantari und dem neolithischen Steintisch von Fontanaccia ein riesiges frühgeschichtliches Freiluftmuseum
Wer sich Sartène vom Süden aus nähert, dem erklärt sich der Beiname der Stadt, „Sarténe, le balcone du Valinco“: In einer traumhaften Panoramalage liegt das kleine Granitstädtchen hoch über dem breiten, fruchtbaren Rizzanese-Tal und genießt einen einmaligen Blick auf die Bucht von Valinco und Propriano. Hinter Sartène liegt der spitze Bergkamm von Alta Rocca
Die mittelalterliche Altstadt von Sartène wurde Mitte des 16. Jahrhunderts von der genuesischen Besatzungsmacht auf dem Felsvorsprung U Pitraghju erbaut und mit dicken Verteidigungswällen gesichert. Die Trutzburg von Sartène, auf korsisch schlicht Sarté genannt, sollte den Einwohner der Umgebung Deckung vor den Sarazenen bieten, die im Mittelalter die korsischen Küsten unsicher machten. 1583 wurde sie aber von den Truppen des Korsaren-Admirals Turgut Reis eingenommen und 400 Bewohner in die Sklaverei nach Algerien entführt. 
Der französische Schriftsteller Prosper Mérimée, auf der Insel vor allem für seine Korsika-Novelle „Colomba“ bekannt, bezeichnete Sartène als „plus corse des villes corses“, als „die korsischste aller korsischen Städte“: Ein Zitat, das sich die Sartenais heute gerne auf das Ortsschild schreiben und das so einiges über die jüngere Geschichte der Kleinstadt aussagt. Sartène galt im 19. Jahrhundert als Hochburg des korsischen Banditentums und der Blutrache, der Vendetta – einer Form generationenübergreifender Selbstjustiz, die sich auf Korsika und gerade in der Kleinstadt im Südwesten der Insel besonders lange hielt. Bis 1834 waren in Sartène ganze Stadtviertel miteinander verfeindet.
Wer heute aufmerksam durch die engen Gassen der Kleinstadt schlendert, kann noch ein wenig von der ehemaligen Feindseligkeit und Verschlossenheit der Sartenais spüren. Geschlossene Fensterläden, gepflegte, aber anonym und kühl wirkende Granitsteinhäuser, die noch so manches Geheimnis zu bergen scheinen, stehen in dem Stadtviertel Sant’Anna im Südosten der Kleinstadt dicht an dicht und strahlen eine eigentümliche Stimmung aus. Wer freilich Banditenfratzen, willkürliche Selbstjustiz oder Familienfehden auf offener Straße erwartet, der kann nur enttäuscht werden. Heute sind die Sartenais geschäftstüchtig und schlagen gerne Kapital aus ihrem Image als „korsischste aller korsischen Städte“ und als einstiges Zentrum der Blutrache. Im ältesten Stadtteil von Sartène, dem Quartier Borgo, hinter der zentralen Place de La Liberation gelegen, findet man neben liebevoll renovierten mittelalterlichen Gebäuden und engen Gassen allerlei Andenkenläden, Spezialitätengeschäfte und kleine Restaurants. Auf der Place de La Liberation, von den Einheimischen auch Place Porta genannt, herrscht das ganze Jahr über geschäftiges Treiben: Hier treffen sich die Sartenais, Korsen wie Einwanderer aus Nordafrika sowie Urlauber aus aller Herren Länder in den zahlreichen Straßencafes, auf der Panoramaterrasse rund um das Kriegerdenkmal sowie auf der Freitreppe vor der kleinen Granitsteinkirche. 
Diese KircheSainte Marie, ist auch Dreh- und Angelpunkt der wichtigsten religiösen Feier von Sartène: Der alljährlichen Karfreitagsprozession Catenacciu.
 
Timo Lutz
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